Es war einmal ein Drache, der
wusste nichts mit sich anzufangen.
Er konnte einige Kunststücke
und war sehr stolz darauf.
Aber was nutzten ihm seine
Talente, wenn er sie doch niemandem zeigen konnte.
Er war zahm und überhaupt
sehr lieb.
Trotz seiner enormen Größe
konnte er keinem Regenwurm etwas zu Leide tun.
So lebte der Drache nun schon
lange dahin.
Wunderbare Abenteuer erlebte
er leider nur im Traum.
Bis er eines Tages bei seinem
Morgenspaziergang ein Plakat entdeckte:
Das war die Gelegenheit. Jetzt
wurde er gebraucht.
Er machte sich sofort auf
den Weg zum Schloss.
Dort wurde ihm erklärt,
dass die Prinzessin von einem Untier in den tiefen, dunklen Wald entführt
worden sei.
Mehrere tapfere Ritter hätten
versucht, sie zu retten.
Sie seien aber nicht mehr
aus dem Wald zurückgekehrt.
Der Drache ging heim. Er musste
die Prinzessin Antonia finden.
Er verließ seine Höhle
und machte sich auf den Weg.
Als er ein gutes Stück
weit geflogen war, sah er eine Hütte, in der ein Zauberer lebte.
Der Drache fragte: "Weißt
du, wie ich die Prinzessin Antonia befreien kann?"
Der Zauberer antwortete: "Die
Prinzessin wird streng von Drachen bewacht.
Einer von ihnen hat sie entführt.
In einer großen Höhle hält sie ein Zauberer gefangen.
Man muss sehr aufpassen, sonst
verirrt man sich leicht im verzauberten Wald.
Ich gebe dir einen Zaubertrank.
Wenn du den trinkst, weißt
du den Weg.
Achte aber nicht auf die Wegweiser,
die sind falsch."
So machte sich der Drache
wieder auf den Weg.
Er flog über Wiesen und
Felder.
Da! Das war sicher der Zauberwald,
das Grün der Blätter glänzte so eigenartig.
Vorsichtig betrat der Drache
den Wald.
Er nahm einen Schluck von
dem Zaubertrank und lief los.
Was aber nicht wusste, der
böse Zauberer hatte noch weitere Fallen aufgebaut.
Auf einmal stand er vor einer
tiefen Schlucht, über die eine zerfallene Brücke führte.
Aber der Drache musste den
Übergang wagen.
Plötzlich krachte es
und er flog hinunter.
Seine Flügel konnte er
nicht gebrauchen, dazu war die Schlucht zu eng.
Unten knallte er hart auf,
und als er den Kopf hob, sah er eine Höhle.
War es vielleicht die, die
er suchte?
Rasch entzündete er mit
seinem Feuer ein Stück Holz und schlich vorsichtig
in den dunklen Gang.
Dort entdeckte er viele Seitengänge.
Wo sollte er entlang gehen?
Der Drache entschied sich
für den mittleren Weg.
Plötzlich trat er auf
einen Ast, der einen Felsbrocken auslöste.
In letzter Sekunde konnte
er sich durch einen Seitwärtssalto retten.
Schnell nahm er einen Schluck
Zaubertrank und ging weiter.
Bald fand er einen Felsvorsprung
und dort sah er einen anderen Drachen,
einen Wächter des Zauberers.
Dieser stellte ihm die Aufgabe:
"Suche den goldenen Schlüssel zur Kammer der Prinzessin!"
Dabei schüttelte sich
der dicke, furchterregende Drache vor Lachen.
Der zahme Drache war ratlos.
Wo sollte er einen goldenen
Schlüssel suchen?
In diesem Zauberwald gab es
mehr als eine Million Möglichkeiten einen winzigen goldenen Schlüssel
zu verstecken.
Mutlos ließ er sich
auf den Boden sinken und begann herzzerreißend zu heulen.
Er heulte so sehr, dass sich
in Sekundenschnelle zu seinen Füßen
ein kleiner, salziger See
ausbreitete.
Das machte den Wachdrachen
neugierig: "Was bist du denn für ein komischer Kauz?
Du willst ein Drache sein?
Drachen heulen nicht!
Ich habe noch nie so ein bedauernswertes
Häufchen Elend wie dich gesehen.
Du bist ja eine Schande für
die ganze Drachenzunft!"
Aber der zahme Drache heulte
nur noch mehr: "Was soll ich denn maaachen?
Da kann ich einmal beweisen,
dass ich ein tapferer Drache bin,
und dann weiß ich schon
nach wenigen Metern nicht mehr weieieieieiter!
Ich bin ein totaler Versaaager!
Heuuul!"
Dem bösen Wachdrachen
wurde ganz unwohl, als er den freundlichen Drachen
so verzweifelt da sitzen sah
und so versuchte er ihn zu trösten:
"Nun wein' doch nicht so fürchterlich!
Das kann ja kein Drache aushalten!
Ich fange ja gleich selber
an zu heulen!"
Und wirklich, da begann der
böse Wachdrache ebenfalls zu heulen,
weil ihm der freundliche Drache
so Leid tat.
Da saßen sie nun und
weinten gemeinsam in ein riesiges, rot kariertes Tischtuch.
Der böse Drache schnäuzte
sich kräftig, und plötzlich kullerte ihm ein kleines, glänzendes
Ding aus dem riesigen Nasenloch.
Plingpling!!! Der goldenen
Schlüssel zur Kammer der Prinzessin!
Der zahme Drache schnappte
sich den Schlüssel blitzschnell und rannte an dem immer noch heulenden
Drachenkollegen vorbei in die Höhle.
Bereits nach wenigen Metern
gelangte er an eine schwere Eichentür.
Er steckte den Schlüssel
in das Schloss und drehte ihn vorsichtig um.
Tatsächlich, er passte!
Der zahme Drache drückte
die schwere Türe auf.
Doch was sahen seine vom Weinen
geröteten Äuglein?
Eine wunderschönes zierliches
Drachenmädchen mit langem, grünen Lockenhaar
strahlte ihn dankbar an:
"Mein Retter!" ,flüsterte
sie dankbar und flüchtete in seine Arme.
Er hatte Prinzessin Antonia
gefunden.
Zärtlich nahm er sie
in seine Arme und flog mit ihr an dem immer noch weinenden Wachdrachen
vorbei über den grün schillernden Zauberwald nach Hause ins Drachenschloss.
Die beiden Drachen feierten eine großartige Hochzeit
und lebten glücklich
bis zum heutigen Tage.
An warmen Tagen kannst du
ihre Kinder und Kindeskinder heute noch auf ruhigen Steinmauern und in
Steinbrüchen beobachten.
Wie wir das gemacht
haben?
Ganz einfach!
Jede Klasse schreibt
ein Stückchen und gibt den Text an die nächste Klasse weiter.